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Hornissennest unter dem Dach des SC Halen blieb von Besuchern unbemerkt (Bericht NOZ )

 

Lotte. Eine schwirrende und summende Überraschung erlebten zwei Mitglieder des SC Halen, als sie im Frühjahr des Jahres 2011 einige dringende Arbeiten unter dem Dach des SC-Halen-Sportlerheimes erledigen wollten. Sie knipsten das Licht an und befanden sich plötzlich zwischen Hunderten von aufgeregten Großwespen, die dabei waren, sich im Sportlerheim gemütlich einzurichten.

 
„Das Nest war schon rund 15 Zentimeter groß“, berichtete Achim Zahn, einer der Eindringlinge. So ließen die Sportler ihre nicht zahlenden Untermieter einfach in Ruhe und inspizierten den Dachboden erst wieder im November. Bis dahin hatte kein Besucher des Sportgeländes etwas von der Hornissenkolonie mitbekommen.

Und das war gut so, denn viele Menschen reagieren panisch, wenn sie erfahren, dass die Großwespen sich in ihrer Nähe häuslich niedergelassen haben: Hautflügler wie Wespen und Hornissen sind unbeliebt, weil ihnen der Ruf vorauseilt, aggressiv und gefährlich zu sein. Die Erfahrungen des Halener Sportclubs zeigen aber, dass es in den meisten Fällen – von Ausnahmen wie ungünstiger Standort oder Allergie gegen das Gift abgesehen – am besten ist, die Tiere einfach in Ruhe zu lassen.

Im November fanden die Inspekteure des Vereins das Nest verlassen vor und nahmen das kunstvolle, gigantisch aufgestockte Gebilde genauer in Augenschein. Das Nest konnte gefahrlos entfernt werden, denn ein zweites Mal wird es in der Regel nicht bezogen. Sollte es aber noch im Frühjahr nach „Wespe“ riechen, kann es sein, dass eine wohnungssuchende Königin an gleicher Stelle wieder einzieht und einen neuen Staat gründet.

Die Völker der Gemeinen Wespe oder Deutschen Wespe können zwischen 3000 und 5000 Tiere groß werden, informiert der Naturschutzbund (NABU). „Rund 200 verschiedene Wespenarten gibt es, dazu gehören auch die Hornissen“, berichtet Dieter Knevelkamp, Imker aus Wersen.

Wespen seien eigentlich harmlose und angriffsunlustige Tierchen, es sei denn, der Mensch kommt ihnen zu nahe oder versucht, sie durch heftige Bewegungen oder Pusten zu verscheuchen. Dann kann der Wespen- oder Hornissenstich für Menschen, die gegen das Insektengift allergisch sind, lebensbedrohlich sein.

Wespen können im Gegensatz zu Bienen mehrmals zu-stechen, ohne danach zu sterben. Sie nerven nur einen Sommer lang, dann sterben sowohl die gewöhnlichen Wespen als auch die Hornissen bis auf die Königinnen. Die nicht lästige Sächsische Wespe nistet in kleinen, frei hängenden, kugeligen Nestern an Gebäuden oder unter Dachbalken, die Mittlere Wespe in Papiernestern in Sträuchern. Im warmen Frühjahr des vergangenen Jahres begannen sie schon früh mit dem Nestbau und sorgten bis Anfang November für Nachwuchs.

Die gefürchtete Hornisse, die größte Faltenwespe, die harmloser sei als manche Honigbienen, baut große, kugelige Nester in Baumhöhlen oder sogar Nistkästen. Wespen und Hornissen sind fleißige Schädlingsvertilger und spielen eine wichtige Rolle für den Naturhaushalt. Beide Arten stehen unter Naturschutz. Wer ihre Nester ohne behördliche Genehmigung vernichtet, macht sich strafbar. „Die Tatsache, dass nur wenige Menschen mit der Lebensweise dieser Tiere vertraut sind, hat zur Bildung von Mythen und Vorurteilen beigetragen“, erklärt NABU-Expertin Melanie von Orlow.

Der Naturschutzbund warnt davor, Wespennester am Haus zuzumauern: „Oft beißen die eingemauerten Wespen sich dann zu den Innenräumen durch.“ Angstschweiß könne Angriffe auslösen, auch Parfüm, Cremes, Möbelpolitur und bunte Kleidung Wespen anziehen. Da Hornissen als einzige Wespenart auch bei Nacht fliegen, ziehen Haus- und Wegbeleuchtungen sie magisch an. „Die Hornissen sind sehr kälteempfindlich“, weiß Knevelkamp, „es kann passieren, dass die letzte Brut verhungert oder nicht mehr schlüpft, weil die Versorger ausgeflogen sind. Im Übrigen würden Hornissennester sehr stinken.

Für eine Ablenkfütterung in fünf bis zehn Meter Entfernung eignen sich überreife Weintrauben, haben zwei Schülerinnen bei einem Experiment für „Jugend forscht“ herausgefunden. Dagegen machen unverdünnte Marmelade oder reiner Honig die Insekten eher aggressiv. Von mit Bier oder Saft gefüllten Wespenfallen rät der NABU eindringlich ab, denn die meist älteren Tiere erleiden einen qualvollen Tod und dezimieren das aktive Volk überhaupt nicht.

Da Wespen auch Holz als Grundstoff zum Bau ihrer Wohnungen verarbeiten, sollte man darauf achten, dass Holzverkleidungen intakt sind und mit umweltfreundlichen Farben gepflegt werden.

Milben befallen manchmal die Nester. Sie überleben auf den Wespen oder Bienen oder deren Brut. Sobald die Nahrungsgrundlage im Spätherbst entfliegt und stirbt, sterben auch sie. Beim Erforschen der interessanten, kunstvollen Hautflüglernester besteht also keine Gefahr, dass unangenehme Milben den Betrachter ärgern.

 

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